Geschichte
„August! Horch! Ein Audi!"
„Aber plötzlich brach der zurückgehaltene Vulkan aus ihm heraus, und er schrie begeistert herüber: „Vater - audi atur et altera pers! ... wäre es nicht richtig, anstatt Horch Audi zu sagen?" Es war heraus, und wir saßen schlankweg begeistert da."
Schwierig gestaltete sich die Suche nach einem neuen Namen für die 1909 begründete zweite Automobilfirma August Horchs in Zwickau. Den Namen des Kraftfahrtpioniers durfte man nicht mehr verwenden. Hatte diesen doch sein erstes Unternehmen, die A. Horch & Cie. AG, schützen lassen. War auch der Gründer nach Diskrepanzen hinsichtlich Entwicklung und Finanzplanung entlassen worden - die bekannte und erfolgreiche Marke wollte und konnte man nicht aufgeben.
Ein Schüler hatte schließlich die zündende Idee für einen Namen, der bis heute für technischen Fortschritt und gestalterische Maßstäbe im Automobilbau steht: Audi. Noch Jahre später erinnerte sich August Horch lebhaft an die denkwürdige Stunde im Wohnzimmer des finanzkräftigen Teilhabers Franz Fikentscher, in der dessen Sohn einer Weltmarke den Namen gab.
Freilich war es bis dahin ein weiter Weg - auch wenn nach nur drei Tagen das Startkapital für den Neubeginn vorhanden war und fähige Mitarbeiter mit ihm in die ungewisse Zukunft gingen. Nach einem bescheidenen Anfang mit Kraftfahrzeugreparaturen machten sich Horch und sein engster Mitarbeiter, der herausragende Konstrukteur Hermann Lange, an die erste Neuschöpfung. Mit diesem Audi A fand man umgehend beachtliche Anerkennung. Da man sich der Werbewirkung motorsportlicher Erfolge bewußt war, nahm die Firma mit den Folgemodellen B und C an den Österreichischen Alpenfahrten 1911 bis 1914 teil. In einer unglaublichen Siegesserie konnte der bedeutendste automobile Wettbewerb jener Zeit Jahr um Jahr gewonnen - 1914 der Alpen-Wanderpreis errungen werden! Damit erbrachte man den Beweis, daß die Wagen bei höchsten Beanspruchungen absolut zuverlässig und somit dem Alltagseinsatz mühelos gewachsen waren. In der Fertigung hielt frühzeitig die Standardisierung Einzug, die rationelle Fertigung und einfachsten Betrieb ermöglichte.
Nach dem Ersten Weltkrieg, der die Entwicklung stark hemmte, bewies Audi mit der Einführung der Linkslenkung, der ersten Vierradbremse mit hydraulischer Unterstützung und dem weltweit ersten Luftfilter seine hohe Innovationskraft und konsequente Zukunftsorientierung. Allerdings waren die 1920er Jahre bei allem Aufbruch auch wirtschaftlich schwierige Zeiten, bildeten doch Modernisierung und Rationalisierung wesentliche Wegmarken. Dem vermochte Audi als mittelständisches Unternehmen nicht Schritt zu halten, auch wenn die Eins auf der Weltkugel mittlerweile einen Reihenachtzylinder namens „Imperator" zierte. 1928 übernahm daher der DKW-Konzern das Werk. Von seinem Gründer und Chef Jörgen Skafte Rasmussen ging dann auch die Idee des Kleinwagenbaues aus, die dem Standort das Überleben und vielen Menschen den Arbeitsplatz sicherte. Mit dem DKW F 1, dem ersten Großserienfahrzeug mit Frontantrieb und zugleich billigstem Auto der Welt, gelang den Zwickauern ein großer Wurf.
Der Frontantrieb sollte auch die Basis für eine nunmehrige Neukonstruktion unter der eigentlichen Marke Audi sein. Der 1933 erschienene Audi Front war nicht nur avantgardistisch in der technischen Konzeption, sondern zugleich das erste Fahrzeug, das die Technik aller Marken der ein Jahr zuvor neu gegründeten Auto Union AG vereinigte. Denn der Wagen erhielt den Frontantrieb von DKW, einen Motor von Wanderer und wurde ab 1934 bei Horch gebaut. Erstmals kamen hier auch zwei Dinge zusammen, die das Bild von Audi bis in unsere Tage prägen: Die Vier Ringe und der Name.
Versehen mit diesen Attributen präsentierte sich 1939 eine der besten Entwicklungen des Automobilbaues vor dem Zweiten Weltkrieg: Der Audi 920. Technisch und gestalterisch gelungen, konnte er noch Jahre später mit Neuschöpfungen mühelos konkurrieren. Leider endete seine Fertigung 1940 - die völlige Vereinnahmung des Werkes für die Rüstung setzte einen Schlußstrich unter den erfolgreichen Werdegang.
Nach Stillegung und Demontage im Zuge des Kriegsendes begann das nunmehr volkseigene Kraftfahrzeugwerk Audi zunächst mit Übergangsproduktion von Konsumgütern. Ab 1948 war es zunächst der DKW, später IFA F 8, der wieder von den Bändern lief. Ein Jahr später kam der bereits vor dem Krieg entwickelte IFA F 9 dazu - seine Zahlen hielten sich in Zwickau angesichts des Blechmangels allerdings in Grenzen. Doch setzte gerade dadurch ein Forschungsprozeß ein, der 1954 zur serientauglichen Herstellung des Kunststoffkarosseriebaustoffs Duroplast aus verpreßten Lagen von Baumwolle mit Phenolharz führte. In Großserie sollte er für den neu entwickelten P 50 - den späteren Trabant - genutzt werden, als dessen Fertiger das Werk Audi in der Muldestadt ausersehen war. Mitten in den Vorbereitungen zum Zwischentyp P 70, dem weltweit ersten Serienfahrzeug mit Kunststoffkarosserie, mußte der historische Automobilstandort seinen berühmten Namen abgeben. Die in Ingolstadt neu gegründete Auto Union GmbH hatte ihn für eigene Produkte eintragen lassen.
Das Werk führte anschließend des Namen VEB Automobilwerk AWZ Zwickau, bevor es zum Werk II des Trabantproduzenten VEB Sachsenring Automobilwerke avancierte.
Obwohl nun die traditionsreiche Marke nach Westdeutschland gewandert war, sollte es noch mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis mit einem neuen Fahrzeug die alte Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden konnte. Denn man war in der Ingolstädter Führungsspitze des Unternehmens auf die „DKW-Linie" mit dem Zweitaktmotor eingeschworen gewesen, in der man wohl Evolutionsfähigkeit bewies, letztlich jedoch einen zu engen technischen Spielraum hatte, um neuen Konzeptionen den Weg zu bereiten. Erst mit der Übernahme durch die Volkswagenwerk AG ab 1964 schuf man die Grundlagen für eine innovative und zukunftsfähige Weiterentwicklung des Unternehmens mit den Vier Ringen - im Herbst 1965 stellte man den ersten neuen Audi vor.
Den Namen hatte man aus den vier alten Marken der Auto Union ausgewählt, weil der einzige Wagen, der mit Frontantrieb und Viertaktmotor der Neuschöpfung entsprach, eben ein Audi gewesen war. Und der Erfolg gab den Ingolstädter Automobilbauern recht. 1969 vereinigte man sich mit dem Traditionsunternehmen NSU in Neckarsulm zur Audi NSU Auto Union AG. Eine von Innovationen getragene, äußerst positive Entwicklung schloß sich an, die das Weltunternehmen bis heute trägt. Seit 1985 übrigens wieder unter dem einfachen und klaren Namen AUDI AG.
Nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR konnte man zudem zu den Wurzeln zurückfinden. Durch das großangelegte Engagement des Konzerns, untermauert durch eine Spende von 6,8 Millionen Euro, konnte das Zwickauer August Horch Museum im einstigen Audiwerk in den Jahren 2002 bis 2004 vollständig saniert, modernisiert und neu gestaltet werden. Es zählt heute als außergewöhnliche Bewahrstätte kraftfahrzeugtechnischer Traditionslinien und der automobilen Identität einer ganzen Region zu den bedeutendsten Automobilmuseen in Europa. Automobile Geschichte wird hier zum Erlebnis. Und innerhalb einer Zeitreise durch ein Jahrhundert faszinierender Kraftfahrtentwicklung am Originalstandort werden natürlich auch Geschichte und Geschichten der Marke Audi in der westsächsischen Metropole lebendig.
100 Jahre Audi - eine ganz besondere Erfolgsgeschichte, getragen von Menschen, deren fortschrittliche, der Zeit weit vorauseilende, Ideen und Visionen ihnen den Mut zu Veränderungen gab, die zu grundlegenden Verbesserungen und Vervollkommnungen, zur Gestaltung der automobilen Welt entscheidend beigetragen haben.




