Vorplanungen für Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes liegen im 1. Quartal 2020 vor

veröffentlicht am: 17.10.2019

Das Baudezernat und die Städtischen Verkehrsbetriebe informieren:

Straßenbahnlinie zum Hauptbahnhof muss temporär eingestellt werden

Die Vorplanungen für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes sowie die Innenstadttangente und die neue Quertrasse der Straßenbahn zur Kopernikusstraße laufen auf Hochtouren. Die Ergebnisse für das komplexe Projekt sollen im ersten Quartal des kommenden Jahres den Ausschüssen und dem Stadtrat vorgelegt werden.

Aufgrund des Verschleißes der über 30 Jahre alten Gleisanlage im Bereich des Bahnhofsvorplatzes bzw. der Straße Am Bahnhof muss der Betrieb der zum Hauptbahnhof führenden Straßenbahnlinie ab dem 15. Dezember aus Sicherheitsgründen zunächst eingestellt werden. Die Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau (SVZ) werden die Erreichbarkeit des Hauptbahnhofes vor allem mit der Buslinie 10 sicherstellen. Darüber und über den derzeitigen Stand der Planungen informierten am heutigen Donnerstag Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß, Baubürgermeisterin Kathrin Köhler, die Geschäftsführerin der SVZ, Anett Glöckner sowie Tiefbauamtsleiter Thomas Pühn.

Komplexmaßnahme erfordert aufwendige Planungen und intensive Abstimmungen

Aktuell erfolgt die Vorplanung für das Gesamtprojekt, das zu den komplexesten Bauvorhaben seit 1990 gehört. Erforderlich sind aufeinander abgestimmte und ineinander übergehende Planungen für das Teilstück der Innenstadttangente zwischen Reichenbacher und Werdauer Straße, für die Querverbindung der Straßenbahn zwischen Werdauer und Bahnhofstraße sowie den Umbau des Bahnhofvorplatzes. Allein die Umgestaltung des zentralen „Eingangsportals“ der Stadt bietet eine Vielzahl von Herausforderungen. Zu diesen gehören beispielsweise die städtebauliche Aufwertung, die Erhöhung der Aufenthaltsqualität und die generelle Attraktivitätssteigerung, die Verbesserung der Verknüpfung von Schienenfern- und -nahverkehr mit Bussen und Straßenbahnen, die Herstellung der Barrierefreiheit oder die „suggestive“ Führung insbesondere ortsfremder Besucher.

Das Vorhaben betrifft somit die Verkehrsplanung mit einer Fahrbahnfläche von mehr als 15.000 Quadratmetern und einem Gleiskörper mit bis zu 6.000 Quadratmetern. Hierbei entsteht eine planerische Komplexität, die nicht nur die allgemeinen städtebaulichen Zwangspunkte, sondern auch das Bauwerk der Deutschen Bahn über die Kopernikusstraße und die grundlegenden Belange des Bahnhofsvorplatzes berücksichtigen muss. Das mit den Planungsleistungen beauftragte Büro Obermeyer Planen und Beraten GmbH befindet sich daher in enger Abstimmung mit der SVZ und dem Tiefbauamt.

Es wird auch die Möglichkeit angestrebt, den Bahnhofsvorplatz im Sinne einer vorgezogenen Realisierung aus der zukünftigen Vorzugslösung herauszutrennen und „vorzuziehen“. Hierfür werden somit auch verschiedene Varianten geprüft, den Teilbereich des Bahnhofsvorplatzes planerisch so kompatibel wie möglich zum Gesamtprojekt zu gestalten. Außerdem werden die erforderlichen Baugrunduntersuchungen in zwei Stufen durchgeführt. Die Ergebnisse der ersten Stufe, in der die Bereiche berücksichtigt werden, die variantenunabhängig immer im Projektumfang liegen, sollen noch im Oktober vorliegen.

Ziel ist, erste Ergebnisse einschließlich einer Vorzugsvariante der Verwaltung im ersten Quartal 2020 in den Gremien des Stadtrates vorzustellen. Denkbar wäre grundsätzlich, zunächst die Entwurfsplanung für den Bahnhofsvorplatz und dann dessen Umgestaltung zu realisieren. Ein Baustart wäre hier im Idealfall 2023 möglich. Innenstadttangente sowie Querspange für die Straßenbahn ließen sich anschließend in einem eigenem Genehmigungsverfahren zur Erlangung des Baurechts verwirklichen. Alternativ könnte gleich das Genehmigungsverfahren für das Gesamtprojekt angestrebt werden, was einen zeitlichen Mehraufwand von vermutlich 15 Monaten mit sich brächte.

Vorsorglich wurde auf Basis der vorhandenen Studie der Bedarf an Fördermitteln beim zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) angezeigt. Dies betrifft sowohl den ÖPNV betreffenden Projektteil als auch den Bedarf für die Innenstadttangente.

Die Anbindung des Hauptbahnhofs ab 15. Dezember

Aufgrund der infrastrukturellen Voraussetzungen zwischen den Haltestellen „Hauptbahnhof“ und „Georgenplatz“ muss der Straßenbahnbetrieb in diesem Bereich ab Mitte Dezember vorübergehend eingestellt werden. Die seit den 80er-Jahren betriebene Gleisanlage ist inzwischen technisch verschlissen, die Grenzwerte bei Spurweite und Rillentiefe sind erreicht. Dies betrifft insbesondere die Kurvenradien zur Straße Am Bahnhof sowie von der Straße Am Bahnhof in die Bahnhofstraße. Eine Erneuerung dieses Gleisabschnittes wäre wegen der grundhaften Erneuerung des Bahnhofvorplatzes und der Veränderung der Gleisanlage wirtschaftlich nicht zu verantworten.

Als Ersatz für die Straßenbahnlinien 5 und 7 werden die Fahrgäste auf diesem Streckenabschnitt, zwischen Neumarkt und Hauptbahnhof über Georgenplatz, mit der Buslinie 10 befördert. Stadtauswärts verkehrt die Linie 10 künftig über die derzeitige Straßenbahnhaltestelle am Hauptbahnhof. Stadteinwärts wird weiterhin die gewohnte Haltestelle am Hauptbahnhof (Stand 10) bedient.

Durch den Wegfall der Straßenbahnlinien 5 und 7 wird die Straßenbahnlinie 4 (Pölbitz – Städtisches Klinikum) ab dem Fahrplanwechsel von Montag bis Freitag im 10-Minuten-Takt zwischen 6 Uhr und 17.15 Uhr verkehren. Ebenfalls wird der Takt auf der Buslinie 10 zwischen Neumarkt und Hauptbahnhof verdichtet. Somit besteht zu der Hauptverkehrszeit ein 10-Minuten-Takt auf diesem Abschnitt. Um das Angebot, insbesondere für Frühaufsteher zu verbessern, werden zusätzliche Neumarkt-Anschlüsse um 5 Uhr und 5.30 Uhr von Montag bis Freitag angeboten. In den Sommerferien verkehren die Straßenbahnlinien 3 und 4 sowie die Buslinie 10 im 15-Minuten-Takt bis 20.15 Uhr mit ganztägigem Anschluss am Neumarkt.

Komplexmaßnahme ist zentraler Bestandteil des ÖPNV-Konzeptes

Die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und die Straßenbahnneubaustrecke zwischen Hauptbahnhof und Werdauer Straße, die in Zwickau ein effektives Zwei-Linien-Netz ermöglicht, sind seit Jahren beschlossene Sache. Aufgeführt sind sie bereits im ÖPNV-Konzept, das vom Stadtrat 2012 bestätigt wurde. Ebenfalls sind sie in der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes verankert, der im Dezember 2012 ebenfalls vom Zwickauer Kommunalparlament beschlossen wurde. Beide Konzepte waren zuvor in Einwohnerversammlungen vorgestellt und diskutiert worden.

Den Grundsatzbeschluss für das Komplexvorhaben Umgestaltung Bahnhofsvorplatz, Innenstadttangente und Straßenbahnspange zur Werdauer Straße fasste der Stadtrat – nicht ohne vorherige kontroverse Diskussion – im Dezember 2016. Die Beauftragung der Obermeyer Planen und Beraten GmbH zur Erbringung der derzeitigen Vorplanungen erfolgte mit großer Mehrheit durch den Bau- und Verkehrsausschuss am 3. Dezember 2018.