Orte der Industriekultur

August Horch Museum

Das August Horch Museum ist eines von nur zwei Automobilmuseen deutschlandweit, welche sich an einer ursprünglichen Produktionsstätte befindet. Hier wurde die Marke Audi gegründet, später befanden sich hier Teile der Trabant-Produktion. 2004 eröffnet, lädt es seit der Erweiterung im Jahr 2018 auf einer Fläche von rund 6.500 m2 zu einer Entdeckungsreise durch die Geschichte des lokalen und regionalen Fahrzeugbaus ein.

Besucher erwarten etwa 160 automobile Großexponate und eine Vielzahl unterschiedlichster Kleinobjekte. Die Palette reicht vom Nachbau des Horch 14-17 PS aus dem Jahr 1904 und dem Audi Alpensieger bis hin zu jüngst gefertigten Fahrzeugen der Marke VW. Die Zeitreise führt vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die legendären 30er Jahre und den Rennsport bis hin zur Nachkriegsproduktion mit dem Trabant und in die Gegenwart. Auf Wunsch kann auch die Horch-Villa besichtigt werden, die von 1910 bis 1913 für den Automobilpionier errichtet
wurde.

Das August Horch Museum - die Wiege der Marke Audi
Trabi 500 in dem 2018 erweiterten Ausstellungsbereich

Die Fabrikantenvilla - Villa Wolf/Mocc

1881 entwickelte der Zwickauer Ingenieur Carl Wolf die Sicherheits- grubenlampe. Sie zeichnete sich gegenüber den ölbetriebenen Lampen nicht nur durch bessere Leuchtkraft und Sauberkeit aus. Vor allem zeigte sie unter Tage drohende Schlagwetterexplosionen an. 1882 zum Patent angemeldet, begann mit Betriebsgründung von Friemann & Wolf im Jahr 1884 als Maschinen- und Grubenlampenfabrik die eigentliche Produktion des innovativen Produkts, das vielen Bergleuten das Leben gerettet haben dürfte. Schnell wurde das Unternehmen zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit Zweigniederlassungen in Deutschland sowie Tochterfirmen in Belgien, Frankreich, England, Österreich-Ungarn und den USA. In kurzer Zeit war das Unternehmen zum größten Grubenlampenhersteller der Welt geworden. Dieser Erfolg bedeutete jedoch nicht, dass sich die findigen Mitarbeiter darauf ausruhten. Sie beeinflussten auch in den Folgejahren die Entwicklung elektrischer Grubenlampen maßgeblich. Im Jahr 1907 baute man die weltweit ersten Kopflampen mit Nickel-Cadmium-Akkumulatoren, nachdem bereits seit 1903 elektrische Kopflampen mit Bleiakkumulatoren angeboten wurden. Die Akkuherstellung ist das historische Fundament, auf dem erfolgreiche Unternehmen wie Johnson Controls und Hoppecke heute aufbauen.

Carl Wolf ließ 1910 die Villa am westlichen Rand der Zwickauer Innenstadt errichten. Das markante Gebäude mit Jugendstilelementen entstand nach Entwürfen des Zwickauer Architekten Johannes Zimmermann, die Bauausführung des neobarocken Gebäudes übernahm Baumeister Curt Zäuner aus Zwickau. Die Villa blieb bis 1945 in Familienbesitz und wurde danach gewerblich genutzt. 1960 erfolgte der Umbau zur HO-Gaststätte „Mocca-Milchbar“, dem sich in den 1980er Jahren nochmals eine umfangreiche Rekonstruktion anschloss. Seit 2007 finden unter dem Namen „Villa Mocc“ verschiedene öffentliche Veranstaltungen statt, aber auch für Privat- und Firmenfeiern lässt sich das Gebäude mieten.

Seit 2007 finden unter dem Namen „Villa Mocc“ verschiedene öffentliche Veranstaltungen statt, aber auch für Privat- und Firmenfeiern lässt sich das Gebäude mieten.
Link zur großen Version des Bildes

Paradiesbrücke und Muldeparadies

Die im Jahr 1900 fertiggestellte Paradiesbrücke ist ein einzigartiges Zeugnis sächsischer Ingenieur- und Stahlbaukunst. Die vorherige Holzkonstruktion mit Überdachung aus dem 17. Jahrhundert musste der – für damalige Zeiten modernen – Stahlnietkonstruktion weichen. Mit 69 Metern Länge und 12 Metern Breite gehört sie zu den Wahrzeichen Zwickaus. Vom 15. Juni bis 1. Juli 1945 diente die Paradiesbrücke als eine Art Grenzübergang. Die Mulde bildete die Demarkationslinie zwischen sowjetisch und amerikanisch besetztem Gebiet in Zwickau. Bis 1979, als wenige Schritte entfernt die heutige Glück-Auf-Brücke gebaut wurde, war sie die wichtigste Verbindung zwischen der Innenstadt und den östlich des Flusses gelegenen Gebieten.

Auch etliche Bergleute nutzten die Brücke, um von ihren Wohnungen in der Innenstadt zum Beispiel zu den auf dem Brückenberg gelegenen Schächten und Werken zu gelangen. Dies war einer der Gründe, in unmittelbarer Nähe eine bergbauliche Erinnerungsstätte zu errichten. Ein angedeuteter Stollen sowie eine Bank mit einem aus Bronze gefertigten Bergmann werden ergänzt von Reliefs, die Erläuterungen zum Bergbau enthalten. Dieses Kunstwerk von Jo Harbort erinnert an den Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier und ist Ehrung und Dank an die Bergleute für ihre geleistete Arbeit.

Zugleich markiert es das südliche Ende des Muldeparadieses, das – mehrfach ausgezeichnet – zu den schönsten Parkanlagen Sachsens gehört. Die Überbauung der Bundestraße ermöglichte es, ein Areal zu schaffen, das mit seinen Wegen und Wiesen zum Spazieren und Verweilen einlädt und zwei Spielplätze bietet. Die Flussbühne, ein Grillplatz und historische Elemente ergänzen die Anlage. Darüber hinaus lädt es als Teil des Mulde-Radwanderweges, des überregionalen Lutherweges sowie des Jakobsweges zu schönen Rad- und Wandertouren in die Region ein.

Die Paradiesbrücke
Blick auf das MuldeParadies von der gegenüberliegenden Muldeseite

Der Alte Gasometer

Nördlich des Muldeparadieses und direkt gegenüber dem beeindruckenden Renaissanceschloss Osterstein befindet sich das Backsteinrund des Alten Gasometers. Er zählt heute zu den bedeutenden Industriedenkmalen Zwickaus. Zugleich ist er ein beindruckendes Beispiel, wie neues Leben in alte Mauern einziehen kann. Mit der Einrichtung einer öffentlichen Gasbeleuchtung wurde 1853 auch der Bau eines Gaswerkes notwendig. Ein zweiter Gasbehälter wurde vier Jahre später errichtet. Der heute noch erhaltene gründerzeitliche Gasometer am Rande der Innenstadt war der dritte dieser Behälter. Er wurde 1875 mit einem Fassungsvermögen von 3.000 m3 fertiggestellt. Das Gas wurde aus Steinkohle erzeugt, wobei Teer, Koks und Ammoniak als Nebenprodukte entstanden. Die Anlage war bis zum Jahr 1900 in Betrieb. Nach der Stilllegung diente der Gasometer als  Lagerhalle. Seit Mitte der 1990er Jahre entwickelten Stadtverwaltung, Architekten und Vereine Konzepte für den Erhalt dieses Baudenkmals und eine künftige Nutzung als Bürgerzentrum. 1998 erfolgte der Beschluss des Zwickauer Stadtrates zum Ausbau des Objektes. Nach 15 Monaten Bauzeit konnte das Gebäude am 23. August 2000 an den Betreiber „Alter Gasometer e. V. – Soziokulturelles Zentrum“ übergeben werden. Unterstützt wurde die Sanierung von Europäischer Union, Bund und Land.

Heute finden hier unterschiedlichste Konzerte, Theateraufführungen, Feste und Feiern, Tagungen und Lesungen statt. Das soziokulturelle Zentrum mit seinen drei Themenfeldern Kultur-, Jugend- und Demokratiearbeit bietet Platz für Vereine, Institutionen und Gruppen. Im Vereinshaus befinden sich beispielsweise der Jugendtreff, das Koordinierungsbüro des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, das Koordinierungsbüro der Zwickauer Partnerschaft für Demokratie und ein Bandproberaum. Der Alte Gasometer e. V. arbeitet außerdem bei zahlreichen Kooperationsprojekten mit, wie dem Stadtfest, dem Interkulturellen Fest oder dem „Historischen Dorf“.

Alter Gasometer e.V. Soziokulturelles Zentrum Zwickau
Großer Saal im Alten Gasometer
Barterre im Alten Gasometer

Weitere Orter der Industriekultur

Galerie am Domhof

Die Galerie wurde im Jahr 1878 als Ausstellungshalle des Zwickauer Kunstvereins eröffnet. Das im neoklassizistischen Stil erbaute Gebäude ist zum Teil auf mittelalterlichem Grundmauerwerk der ehemaligen Lateinschule errichtet. Die Galerie am Domhof versteht sich als Anlauf- und Begegnungsstätte für Künstler und Kunstfreunde.

Goldener Anker

An diesem Gebäude am Hauptmarkt lassen sich wichtige Epochen der Stadtgeschichte
ablesen: Ursprünglich 1480 im Auftrag Martin Römers errichtet, wurde es 1870 im Stil der Gründerzeit umgebaut. 1907 gründeten die Brüder Salman und Simon Schocken hier mit der Firma I. Schocken Söhne Zwickau einen der späterhin größten Warenhauskonzerne Deutschlands. 1938 wurde die Familie durch die Nationalsozialisten enteignet.

Hauptbahnhof

Auch wenn das Umfeld derzeit noch wenig attraktiv ist – zu den Zeitzeugen der Industriegeschichte gehört der Hauptbahnhof. Der Klinkerbau entstand von 1933 bis 1936, war Ausdruck architektonischer Entwicklungen der 1920erJahre und entsprach dem damaligen Zeitgeist. Eine geräumige Empfangshalle und die großzügig gestalteten Bahnsteigübergänge charakterisieren ihn. Der als Keilbahnhof konzipierte Hauptbahnhof ist bereits das dritte Bauwerk seiner Art in Zwickau.

Johannisbad

Das 1904 erbaute Johannisbad ist ein architektonisch einzigartiges Kleinod. Es vereint die Epochen von Jugendstil und Neogotik mit einem Hauch orientalischer Badekultur und beherbergt heutzutage Bad, Sauna sowie einen modernen Wellnessbereich. Initiiert wurde der an der Mulde gelegene Bau ursprünglich vom Direktor der Krankenanstalten, Dr. Samuel Schlobig. 1991 wegen Baufälligkeit geschlossen konnte das Denkmal dank privaten Engagements und im Rahmen des europäischen Urban-Projektes umfassend saniert und im Jahr 2000 wieder eröffnet werden.

Lehrpfad Steinkohlebergbau

Der Steinkohlenbergbau hat etwa 700 Jahre lang die Entwicklung und das Erscheinungsbild der Region geprägt. Heute erinnern Halden und ehemalige Schachtgebäude oder Flur- und Straßennamen an diese Tradition. Der Lehrpfad in Bockwa und Oberhohndorf führt durch das am stärksten frequentierte Gebiet des ehemaligen Zwickauer Steinkohlenbergbaus und informiert über manch (fast) vergessenen Fakt. Beginnen kann man den Rundweg am Bergbaudenkmal an der Schedewitzer Muldenbrücke oder an der Matthäuskirche im Stadtteil Bockwa.

Lukaskirche

Die Lukaskirche ist eine neogotische, dreischiffige, kreuzförmige Säulenbasilika. Ihr mächtiger, 60 Meter hoher Turm thront hoch auf dem Planitzer Schlossberg. Sie ist Zeugnis des bergbaubedingten Aufschwungs. Aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums genügte die benachbarte Schlosskirche nicht mehr. Nach Plänen des Zwickauer Architekten Gotthilf Ludwig Möckel wurde die Lukaskirche zwischen 1871 und 1876 mit 1.000 Sitzplätzen für 60.000 Taler gebaut und bis 1968 genutzt. Zusehends dem Verfall preisgegeben, konnte sie nach 1990 dank bürgerschaftlichem Engagements und mit Mitteln des Bundes und Landes gerettet werden.

Moritzkirche

Aufgrund des Bevölkerungswachstums im 19. Jahrhundert wurde das Kirchgebäude der Moritzkirche zu klein. Der Kirchenvorstand entschloss sich zum Bau eines neuen größeren und schöneren Gotteshauses auf einem nahegelegenen Grundstück. Nach der Grundsteinlegung 1892 erfolgte bereits im Oktober 1893 die Glockenweihe. Am 1. Advent 1893 wurde die Moritzkirche im Rahmen eines Festgottesdienstes geweiht.

Rathaus

Auch am Rathaus sind die Boomphasen der Stadt ablesbar. Nach einem verheerenden Stadtbrand von 1403 wurde es im Stil der Hoch- und Spätgotik wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit ist heute noch die 1473 bis 1477 erbaute Jakobskapelle im ursprünglichen Zustand erhalten. Seine neogotische Fassade erhielt das erste Haus am Platz in den 1860er Jahren. Über dem Haupteingang ist das Zwickauer Stadtwappen in seiner großen Form zu sehen. Nach zweijähriger Sanierungs- und Umbauphase erstrahlt seit 2011 das gesamte Gebäude in neuem Glanz.