Fassadengestaltung am Hort-Neubau der Bebelschule in Oberhohndorf

Die Adam-Ries-Grundschule im Zwickauer Stadtteil Neuplanitz wird derzeit umfassend saniert. Zusätzlich ist  ein moderner Mehrzweckbau – das Auditorium – entstanden, der auch von der benachbarten Oberschule mit genutzt wird. Sowohl das Schulgebäude als auch der Mehrzweckbau sollen durch „Kunst am Bau“ ergänzt und aufgewertet werden. Dafür sind drei Projekte geplant.

Skulpturale Sitzmöglichkeit 

Das von Grund- und Oberschule gemeinsam genutzte Auditorium verfügt über einen großen Mehrzweckraum mit Bühne. Dieser kann für Unterrichtszwecke, AGs oder aber auch Schulfeiern genutzt werden. Es besitzt zwei Haupteingänge, die auf der Südseite des Gebäudes liegen. Der Standort des Kunstwerkes befindet sich in dem kleinen überdachten hofartigen Bereich zwischen den beiden Windfängen. Er ist 4,55 Meter breit, 2,85 Meter tief und 3 Meter hoch.

Die Skulptur „Hörmuschel“ von Falk Weselsky

Für diesen Bereich wurde eine Skulptur entworfen, die auch als Sitzmöglichkeit dient – die Hörmuschel. Die Idee der Form beruht auf der freien Interpretation eines Muschelgehäuses. Es handelt sich um ein Fantasiegebilde, dass aus Halbkugeln konzipiert ist.
Der Begriff Hörmuschel scheint zunächst ein Widerspruch zu sein, dient das Objekt doch nicht zum aktiven Hören. Aber als Sitzobjekt in der Verwendung als Platz zum Zuhören ergibt der Begriff wiederum Sinn.

Die Skulptur ist ein Arrangement aus vier farbig gestalteten Hörmuscheln, wovon jede die Möglichkeit zum Sitzen und Verweilen bietet. Die Hörmuscheln befinden sich im Eingangsbereich des Auditoriums.

Der Künstler

Der 1968 in Dresden geborene Falk Weselsky absolvierte zunächst von 1985-88 eine Ausbildung zum Zimmerer, war von 1990-93 Bühnentechniker am Staatsschauspiel Dresden. 1994 absolvierte er sein Fachabitur für Gestaltung in Dresden um danach bis 1998 an der Westsächsischen Hochschule Zwickau im Fachbereich Angewandte Kunst im Studiengang Holzgestaltung zu studieren. Seit 1998 ist er als freier Künstler tätig und arbeitet seit 2000 gemeinsam mit Agnes Schade in einer Ateliergemeinschaft in Dresden-Hellerau.

Kindgerechter Rückzugsort

Im Zuge der Sanierung der Adam-Ries-Schule werden ebenfalls die Außenanlagen neugestaltet. Der bereits vorhandene Schulgarten mit grünem Klassenzimmer wird erweitert und um die Schule herum mit Spiel- und Sitzmöglichkeiten ergänzt.  Bei der Neugestaltung der Pausen- und Spielfläche werden in regelmäßigen Abständen befestigte Kreise in unterschiedlichen Größen angelegt, auf diesen  sollen Spiel- und Klettergeräte ihren Standort finden.
Für das zu schaffende Kunstwerk soll ebenfalls ein Kreis den Standort bieten. Die Grundfläche hat einen Durchmesser von 4 Metern. Das Objekt soll eine kindgerechte Rückzugsmöglichkeit mit Aufenthaltsqualität entstehen.

Objekt „Ich sehe das, was Du nicht siehst“ der Künstlergemeinschaft Craus|Hahn

Da eine Art „Versteck“ gesucht war, wurde dies als die zentrale Idee aufgegriffen. Verstecken heißt selbst unsichtbar werden, aber dennoch beobachten zu können. Verstecken, die Zeit vergessen, beobachten, abtauchen, träumen. Entstehen wird ein großer Raum auf kleiner Fläche mit Nischen, Zwischenräumen, Gängen, Licht- und Schatten. Das Motiv des Versteckens soll hier in unterschiedlichen Perspektiven erlebbar werden. Von innen nach außen, von außen nach innen und ganz im Inneren.
Die vier paraventartigen Segmente werden symmetrisch im Kreis angeordnet. Aus der Luft betrachtet handelt es sich um vier ungleichseitige Dreiecke, deren kürzeste Seite offen ist. Jedes Segment hat eine nach innen gerichtete kurze und nach außen gerichtete lange Seitenwand.
Über ein Kreuz, das den gesamten Durchmesser nutzt, sind alle Segmente miteinander verbunden. Das Kreuz bildet zudem die Sitzflächen. Die Anordnung der Segmente erzeugt vier Raumnischen, vier Gänge und ein Zentrum. Die Nische im Innenraum bietet zwei Kindern Platz. Über den Spionspiegel kann man das äußere Umfeld beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. Das Zentrum bietet bis zu 5 Kindern Platz zum Spielen oder Verweilen.

Die Künstler

Die Künstlergemeinschaft Craus|Hahn wird das Objekt im Garten der Grundschule realisieren.

Sandy Craus wurde 1975 in Apolda geboren. Sie lebt und arbeitet in Köln in den Bereichen Kunst im öffentlichen Raum, Intervention, Installation, Fotografie und Kunstvermittlung. Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin studierte sie in Leipzig an der HGB bidende Kunst, wo sie 2005 mit dem Diplom abschloss. Seit 2006 arbeitet sie als Künstlerin, Kunstvermittlerin, Theaterpädagogin, freie Fotografin und visuelle Gestalterin.

Sebastian Hahn wurde 1974 in Köln geboren, lebt und arbeitet in Köln und Düsseldorf in den Bereichen Szenenbild, Grafikdesign und Möbeldesign. Nach einer Lehre zum Schreiner studierte er Handwerksdesign und im Aufbaustudium Diplom Szenenbild an der Filmakademie Ludwigsburg seither war er sowohl als freier Setdesigner aber auch für verschiedene Sender tätig.

Künstlerisch gestaltete Spielwand 

An der östlichen Giebelseite der Adam-Ries-Grundschule wird eine weitere kleine Pausen- und Spielfläche angeordnet. Neben der bereits vorhandenen Tischtennisplatte entsteht eine Boulderwand zum Klettern.  An der Fassade soll eine künstlerisch gestaltete Spielwand zur aktiven Pausengestaltung entstehen.

Das Bubblebord der Künstlergemeinschaft Mannstein-Vill

Ein großes Zeichenbrett animiert zur künstlerischen Gestaltung der Fassade, als Inspiration diente das Rechenbrett von Adam Ries, der Namensgeber der Schule ist.
Auf einer vorgelagerten Wandfläche können farbige Kugeln auf horizontalen Linien beliebig angeordnet werden. Die vertikalen Schienen dienen zum Rangieren der Kugeln. Neben der optischen Aufwertung der Fassade kann das Kunstobjekt aber auch in den Unterricht integriert werden, etwa um Mengen zu visualisieren und Rechenschritte optisch zu verdeutlichen.

Die Künstler

Die Künstlergemeinschaft Mannstein-Vill wird das Kunstwerk realisieren.

Maria Vill PhD wurde 1971 in Gerolzhofen geboren. Nach dem Abitur in Elsenfeld absolvierte sie ihr Logopädie-Examen und ging danach zum Studium der Freien Kunst an die Bauhaus-Universität Weimar sowie an die Ecole supérieure d'art visuel nach Genf. Ihr Diplom Freie Kunst legte sie 2000 ab. 2014 folgte die Promotion in Weimar. Sie lebt in Berlin und lehrt in Granada und Erfurt.

David Mannstein wurde 1958 in Bad Hersfeld geboren. 1993-97 studierte er Freie Kunst an der Bauhaus-Universität in Weimar. Er lebt in Berlin und lehrt ebenfalls in Granada und Erfurt.