Industriekultur in Zwickau

Zwickau ist die Automobil- und Robert-Schumann-Stadt: Seit mehr als 110 Jahren werden hier Fahrzeuge und Fahrzeugteile entwickelt und gefertigt. Berühmtester Sohn der Stadt ist der romantische Komponist Robert Schumann. Gebürtige Zwickauer sind aber beispielsweise auch der expressionistische Künstler Max Pechstein oder der Schauspieler Gert Fröbe.

Der Beiname „Auto- und Schumann-Stadt“ verdeutlicht außerdem, dass in der heute viertgrößten Stadt Sachsens Wirtschaft und Kunst, Industrie und Kultur seit Jahrhunderten eng miteinander verwoben sind. Martin Römer war im 15. Jahrhundert nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er legte den Grundstein für heutige Kultur- und Freizeitoasen, wie das heute als Stadtbibliothek genutzte Kornhaus oder den Schwanenteichpark, das aktuell größte Naherholungsgebiet in der Innenstadt. Der industrielle Boom des 19. und 20. Jahrhunderts ist ablesbar an den Wohngebieten der Gründerzeit und des Jugendstils, an neuen Kirchen oder kulturellen und sozialen Einrichtungen, die es heute noch gibt. Und auch wenn die letzte Steinkohle vor über 40 Jahren gefördert wurde – der Bergmannsgruß „Glück Auf!“ ist weit verbreitet und die traditionelle Bergparade zieht alljährlich im Advent Gäste aus nah und fern in ihren Bann.

Erstaunlich ist die Kontinuität am Wirtschaftsstandort Zwickau. Wo Carl Heinrich Wolf und Heinrich Friemann ab 1884 die Benzin-Sicherheitslampe zum Welterfolg führten, haben heute innovative Batteriehersteller ihren Sitz. An der Reichenbacher Straße nahm 1891 eine zunächst unbedeutende Leimkocherei ihre Produktion auf. Sie erlangte später globale Geltung, nachdem es gelungen war, das erste Kunstharz herzustellen. Dieses Produkt ist das Kerngeschäft der heute ansässigen Firma Arkema. Wichtigster Wirtschaftszweig ist und bleibt der Automobilbau. Die von August Horch begründete Tradition, die durch Marken wie Horch, Audi, die Auto Union und den Trabant bekannt wurde, wird von Volkswagen, zahlreichen Zulieferern und der Westsächsischen Hochschule erfolgreich fortgeführt.

Benzin-Sicherheitslampen von Carl Heinrich Wolf und Heinrich Friemann
Der Audi-Bau Zwickau in dem vom 25.4. bis 1.11.2020 die Zentralausstellung zur 4. Sächsischen Landesausstellung »Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen« stattfindet