Das Kulturamt informiert:
13 originale Druckstöcke zu „Das Vater Unser“ erstmals im Zentrum des MaxRAUM
Schwarz-Weiß und Farbe, Holz und Papier, Glaube und existenzielle Erfahrung: Zum 145. Geburtstag Max Pechsteins erhält der ihm gewidmete MaxRAUM im ZwischenRAUM der Kunstsammlungen Zwickau ein neues Gesicht. Unter dem Titel „Max Pechstein und die Farbigkeit des Schwarzen“ rücken ab 9. Oktober 2026 zwei Themen in den Mittelpunkt, die Pechsteins Leben und Werk auf besondere Weise miteinander verbinden: der Holzschnitt und die Religion.
Herzstück der Neupräsentation ist eine bedeutende Schenkung der Max-Pechstein-Urheberrechtsgemeinschaft: 13 originale Druckstöcke zur Holzschnittfolge „Das Vater Unser“ von 1921. Gemeinsam mit ausgewählten Grafiken und historischen Filmaufnahmen ermöglichen sie einen ungewöhnlich unmittelbaren Blick auf Pechsteins künstlerischen Arbeitsprozess – vom Schnitt in das Holz bis zum gedruckten Bild.
Über die Druckstöcke wird sichtbar, wie Pechstein mit Linie, Fläche und Kontrast arbeitete und wie aus dem schwarzen Druckstock eine Bildwelt von großer Ausdruckskraft entstand. In der Gegenüberstellung mit Drucken der Folge lässt sich nachvollziehen, wie unmittelbar der Künstler seine Bildideen in das Material übertrug. Von den ursprünglich 250 gedruckten Mappen wurden 50 mit handkolorierten Blättern ausgestattet – ein besonders anschauliches Beispiel dafür, dass Schwarz und Farbe in Pechsteins Werk keine Gegensätze sein mussten.
Zwischen Glaube, Kriegserfahrung und Hoffnung
Die Neupräsentation schlägt zugleich einen Bogen zu Pechsteins religiöser Prägung. In Zwickau getauft und konfirmiert, begegnete er bereits als Junge im Knabenchor des Doms St. Marien der christlichen Kunst. Später kehrten religiöse Motive immer wieder in seinem Werk zurück. Sie wurden für Pechstein Ausdruck von Freude und Hoffnung, aber ebenso von Verlust und existenzieller Bedrohung.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in der 1921 entstandenen Folge „Das Vater Unser“. In ihr verbinden sich Pechsteins Erfahrungen des Ersten Weltkriegs mit Erinnerungen an das Leben der Fischer in Nidden. Das Werk führt damit persönliche Erfahrung, religiöse Bildsprache und die elementare Ausdruckskraft des Holzschnitts zusammen.
Der Holzschnitt als Lebenslinie
Pechstein beschäftigte sich bereits während seines Studiums mit dem Holzschnitt. Mit seinem Eintritt in die Künstlergruppe „Brücke“ im Jahr 1906 – vor 120 Jahren – gewann das Medium für ihn zunehmend an Bedeutung. Der direkte Schnitt ins Holz, die kraftvolle Reduktion und die starken Schwarz-Weiß-Kontraste machten den Holzschnitt zu einem seiner wichtigsten Ausdrucksmittel. Mehr als 300 verschiedene Holzschnitte sind heute nachweisbar – Darstellungen von Menschen und Landschaften, von Einzelblättern über Mappenwerke bis zu Plakaten und Einladungskarten.
Die neue Präsentation nutzt den Holzschnitt deshalb zugleich als roten Faden durch Pechsteins künstlerische Entwicklung. Sie verbindet unterschiedliche Lebens- und Schaffensphasen eines Künstlers, dessen Weg in Zwickau begann und dessen Werk weit über die Stadt hinausstrahlt.
Die Zwickauer Pechstein-Sammlung wird digital erlebbar
Mit der Neugestaltung erweitert sich der MaxRAUM auch über den Ausstellungsraum hinaus: Rund 150 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken aus der Zwickauer Pechstein-Sammlung werden digital zugänglich gemacht. Neue Vermittlungsangebote eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, sich Pechsteins Werk, seinen Themen und seiner künstlerischen Entwicklung zu nähern.
Damit verbindet die Neupräsentation Originale und digitale Zugänge, kunsthistorische Forschung und unmittelbare Anschauung – und erzählt zugleich die Geschichte eines Künstlers von Weltrang, dessen künstlerische Wurzeln in Zwickau liegen.