Psalmenvertonungen: Musik in der Organistenstube

veröffentlicht am: 15.10.2026

Das Kulturamt informiert:

In den Zwickauer Priesterhäusern, die seit 2003 das Museum für Stadt- und Kulturgeschichte beherbergen, hatten seit dem 16. Jahrhundert die Organisten der gegenüberliegenden Marienkirche ihre Dienstwohnung, darunter zum Beispiel auch der berühmte Bach-Schüler Johann Ludwig Krebs (1713–1780) und Robert Schumanns (1810–1856) Zwickauer Klavierlehrer Johann Gottfried Kuntsch (1757–1855). Aus Erinnerungen eines Mitschülers Robert Schumanns ist bekannt, dass es in dieser Organistenstube auch ein Orgelpositiv gab, auf dem Robert Schumann seine ersten Orgelspielerfahrungen sammeln konnte. 

Zu einem besonderen Konzert im Rahmen der Sonderausstellungen Erinnerns_Wert. Jüdische Spuren in Zwickau in den Priesterhäusern sowie Die Schumanns und das Judentum im Robert-Schumann-Haus erklingt am 29. Oktober, um 17 Uhr, ein solches Orgelpositiv in den historischen Museumsräumen. 

Eines der musikgeschichtlich bedeutsamsten Ausstellungsstücke im Museum Priesterhäuser ist ein in den alten Gemäuern bei Bauarbeiten entdecktes Notenfragment, das in der Dauerausstellung zu sehen ist und jüngst als Teil der Psalmvertonung von Heinrich Schütz (1585–1672) aus dem Jahr 1636 identifiziert werden konnte. 

Psalmen waren und sind ein zentrales Element der jüdischen Kultur, doch auch in der christlichen Kirchenmusik haben dieselben Texte ihren festen Platz. In der Sonderausstellung des Robert-Schumann-Hauses sind die Psalmübersetzungen des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn – Großvater des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy – in einem Exemplar aus Schumanns Bibliothek zu sehen, ebenso aber eine einzigartige Rarität aus Schumanns Notenbibliothek: die Psalmvertonungen von Benedetto Marcello (1686–1739). Der venezianische Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs vertonte insgesamt 50 Psalmen und griff dabei bemerkenswerter Weise auch auf die originalen jüdischen Synagogal-Melodien zurück, die er damit erstmals schriftlich aufzeichnete und in kurioser Form, entsprechend der von rechts nach links zu lesenden hebräischen Schrift, mit von rechts nach links zu lesenden Noten drucken ließ. 

Diese Dokumente gaben den Anlass zu einem speziell zusammengestellten und erarbeiteten Konzertprogramm mit Psalmvertonungen des 17. und 18. Jahrhunderts. Die beiden griechischen Sopranistinnen Nadia Toliou und Sofia Symeonidi singen die zweistimmigen Psalmkonzerte des Dresdner Hofkapellmeisters Heinrich Schütz und seines Hallenser Komponistenkollegen Samuel Scheidt (1587–1654) sowie weitere Psalmkantaten von Benedetto Marcello. Berühmt ist Marcello heute u. a. auch dadurch, dass auch Johann Sebastian Bach Instrumentalkonzerte von ihm arrangierte, woraus Thomas Synofzik instrumentale Intermezzi beisteuert. 

Nadia Toliou ist als freischaffende Opern- und Konzertsängerin tätig. Zu ihren Bühnenpartien zählen unter anderem Anne Frank in Grigori Frids Das Tagebuch der Anne Frank und Serpetta in Mozarts La finta giardiniera. Seit 2025 ist sie Mitglied des Dresdner Kammerchores und als Solistin mit dem Dresdner Residenzorchester tätig. 
Sofia Symeonidi wirkt ebenfalls als freiberufliche Sängerin und tritt als Solistin regelmäßig in Opern- und Konzertproduktionen auf. Sie arbeitete unter anderem mit dem Philharmonia Orchestra, der Armonia Atenea und dem Kammerorchester Meißen zusammen. Seit 2024 ist sie Mitglied des Vocalis Ensemble Dresden. 
Thomas Synofzik studierte historische Tasteninstrumente in Köln und Brüssel und legte 2000 sein Konzertexamen ab; zu seinen CD-Aufnahmen gehört eine Einspielung mit italienischen Marienmotetten des 17. Jahrhunderts. 

Aufgrund der limitierten Zahl von nur 15 Plätzen wird der Kartenerwerb im Vorverkauf an der Museumskasse der Priesterhäuser empfohlen. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 7,50 Euro). Eine Reservierung von Karten ist telefonisch unter 0375 834551 oder per Mail unter priesterhaeuserzwickaude möglich.

Sodia Symeonidi
Nadia Tioliou