Das Robert-Schumann-Haus informiert:
Robert-Schumann-Haus lädt zu Kammermusikprogramm am 3. Mai ein
Eine „geistvolle Unterhaltung von vier vernünftigen Leuten“ - so die einstige Meinung Johann Wolfgang von Goethes über das Streichquartettspiel - ist im Schumann-Plus-Konzert am Sonntag, dem 3. Mai 2026, um 17 Uhr im Robert-Schumann-Haus Zwickau zu erleben. Das Mendelssohn Quartett, seit über 30 Jahren fester Bestandteil des (kammer-) musikalischen Lebens in Leipzig, schlägt in seinem Zwickauer Konzert einen Bogen von der Wiener Klassik mit Joseph Haydns Quartett C-Dur op. 54/2 über die Romantik mit Robert Schumanns Quartett F-Dur op. 41/2 bis in die dunkle Zeit des 20. Jahrhunderts mit dem Quartett Nr. 3 von Viktor Ullmann, der dies im Konzentrationslager Theresienstadt komponierte.
Viktor Ullmann war Komponist, Dirigent und Pianist. Geboren 1898 in Österreich-Ungarn erhielt er bereits in jungen Jahren Unterricht in Wien bei Arnold Schönberg. Er wechselte nach Prag als Chordirektor und Korrepetitor ans Neue Deutsche Theater und konnte dort seine ersten Kompositionen erfolgreich uraufführen. Nach einem Intermezzo als Kapellmeister in Zürich kehrte er 1933 als Musiklehrer und Journalist nach Prag zurück. 1942 wurde er ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er maßgeblich das Musikleben prägte. 1944 erfolgte die Deportation nach Auschwitz-Birkenau, wo er zwei Tage nach Ankunft am 18. Oktober in der Gaskammer ermordet wurde. Von seinen vor der Deportation komponierten Werken müssen viele als verschollen gelten, hingegen ist sein Theresienstädter Oeuvre erhalten. Dies umfasst neben Chorkompositionen, Liederzyklen und Bühnenmusik auch seine letzten drei Klaviersonaten, die Kammeroper „Der Kaiser von Atlantis“ und das dritte Streichquartett.
Joseph Haydn, gerne als „Vater der Wiener Klassik“ belächelt, spannte in seinem langen Leben den Faden vom empfindsamen Stil der nach-bachischen Zeit zu der klaren Formensprache, die im 19. Jahrhundert den Namen „Wiener Klassik“ erhielt. Viele seiner kompositorischen Experimente loten dabei klangliche, formale und harmonische Felder aus, die man landläufig nicht mit Haydn in Verbindung bringen würde. So steht etwa das Zweite Streichquartett op. 54 in der erwarteten klassischen Sonatenhauptsatzform, überrascht jedoch mit neuartigen harmonischen Pointen. Zweiter und dritter Satz werden in diesem Quartett quasi als ein einziger Satz gedacht, so dass das Menuett eine langsame Einleitung erhält. Auch der vierte Satz, in der reinen Formenlehre ein Rondo, beginnt zunächst ungewöhnlicherweise mit einer langsamen Einleitung, ehe nur scheinbar das Rondo erklingt. Im Adagio wird das Quartett beendet.
Das sortenreine Komponieren ist eine Eigenart Robert Schumanns, die das Jahr 1842 zum „kammermusikalischen Jahr“ machen sollte. Nach dem „Liederjahr 1840“ und dem „sinfonischen Jahr 1841“ widmet sich Schumann 1842 fast ausschließlich und mit steigender Intensität der Komposition der Quartette. Aus „quartettischen Gedanken immer“ werden „Quartett-Versuche“, die dann in der Vollendung im Manuskript auf dem Gabentisch zu Claras Geburtstag liegen. Am Geburtstagsabend spielt ein Quartett um Ferdinand David in einer Privataufführung, Claras Urteil ist eindeutig: „ich kann über die Quartette Nichts sagen als daß sie mich entzücken bis in's Kleinste. Da ist Alles neu, dabei klar, fein durchgearbeitet und im[m]er quartettmäßig.“ Sie zählen heute zum Standardrepertoire fast jeder Streichquartettformation.
Das Mendelssohn Quartett Leipzig wurde 1995 gegründet und trägt seinen Namen seit 1997. Durch ein Aufbaustudium Kammermusik an der Musikhochschule „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ zwischen 1996 und 1999 bei Dietmar Hallmann, der über 30 Jahre lang als Mitglied des Gewandhausquartetts wirkte, steht es in der Leipziger Quartetttradition. Das Ensemble gewann den Leipziger Hochschulwettbewerb und war Finalist im Deutschen Hochschulwettbewerb.
Mendelssohn hat die Musikstadt Leipzig in besonderem Maße geprägt: In seiner Zeit wurde in Leipzig sowohl die modernste Musik aufgeführt als auch die historischen Konzerte ins Leben gerufen und Bachs Musik wiederentdeckt. Den Mendelssohnschen Idealen, Wiederbelebung vergessener Meisterwerke bei gleichzeitiger Neugier auf aktuelle Musikproduktionen, versucht das Quartett nachzustreben, dazu kommt natürlich eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Mendelssohns eigenen Werken.
Eintrittskarten zu 12 Euro (ermäßigt 9 Euro) sind an der Museumskasse zu den gewohnten Zeiten erhältlich. Eine Reservierung ist unter 0375 834406 oder schumannhauszwickaude möglich. Reservierte Karten sind bis spätestens 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abzuholen.