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Elite-Stipendium: Amerikanerin forscht an Zwickauer Robert-Schumann-Haus
Dass das Robert-Schumann-Haus Zwickau auch eine internationale Forschungsstätte von Rang ist, ist zumindest in der Fachwelt hinreichend bekannt. Das Haus verfügt über die weltgrößte Sammlung an über 4.000 Originalhandschriften – Kompositionen, Tagebüchern und Briefen – der Eheleute Schumann, was es zu einer Hauptanlaufstelle für Wissenschaftler aus der ganzen Welt macht. Mit der Schumann-Briefedition und der neuen Schumann-Gesamtausgabe betreut es zudem zwei weitreichende Projekte der Schumann-Forschung selbst mit.
Nun sind in diesen Tagen gleich drei Wissenschaftlerinnen aus den USA zu Gast in Schumanns Geburtsstadt, um am Originalschauplatz zu unterschiedlichen Themen zu arbeiten.
Den Beginn machte Anfang Juni Katie Ritzema – Pianistin, Organistin und Studentin der Musikwissenschaft an der Washington University St. Louis/USA. Am Robert-Schumann-Haus arbeitete sie zu den Londoner Auftritten der Pianistin Clara Schumann. Außerdem engagiert sich Katie Ritzema im Bereich öffentlicher Musikwissenschaft, indem sie über ihre Social Media Präsenz klassische Musik – insbesondere von Frauen – einem größeren Personenkreis zugänglich macht. Ihren Aufenthalt legte sie bewusst genau in die Zeit des Zwickauer Schumann-Festes, von dem sie sämtliche Veranstaltungen miterlebte und begeistert von deren Niveau war.
In dieser Woche kam Abigail Nordan vom Boston Conservatory in Berklee zu Archivforschungen nach Zwickau. Sie ist studierte Psychologin und arbeitet auch als Chorleiterin. Sie forscht zur Krankengeschichte in den Endenich-Akten Robert Schumanns und konnte in der Bibliothek des Robert-Schumann-Hauses vorhandene rare Publikationen aus der NS-Zeit dazu konsultieren.
Vom 1. Juli an wird Alexis Smith – außerordentliche Professorin für Germanistik an der Hannover Faculty/Indiana, USA – für ein halbes Jahr Archiv und Bibliothek des Robert-Schumann-Hauses nutzen können. Sie erhielt das renommierte Fulbright Stipendium für die Übersetzung der Schumann-Tagebücher ins Englische. Hintergrund ist, dass mit dieser Übersetzung auch Lesern im angloamerikanischen Sprachraum die Möglichkeit eröffnet werden soll, ein tieferes Verständnis für Leben und Werk Robert Schumanns zu erlangen.
Von dem amerikanischen Fulbright-Programm werden jährlich ca. 800 Stipendien in alle Welt vergeben – in der Regel an Elite-Universitäten –, nur zehn davon an Forschungseinrichtungen in Deutschland. Dass eines dieser begehrten Forschungsstipendien in diesem Jahr für ein Projekt am Robert-Schumann-Haus verliehen wird, würdigt nicht nur die Professorin selbst, sondern zeigt auch welches Renommee das Zwickauer Robert-Schumann-Haus weltweit besitzt.
Fulbright Stipendien – Aushängeschild bilateraler Bildungsarbeit
Das Fulbright-Programm gilt als eines der prestigeträchtigsten Stipendienprogramme weltweit; über 60 ehemalige Fulbright-Alumni erhielten später Nobelpreise. Initiiert wurde das Programm bereits 1946, seit 1956 gibt es das Deutsch-Amerikanische Programm, was den Austausch wissenschaftlicher Forschungsprojekte zwischen beiden Ländern maßgeblich unterstützt.
Es ist das Flaggschiff unter den Stipendienprogrammen der US-Regierung und genießt weltweit Ansehen. Inzwischen gibt es nicht mehr nur die Partnerschaft nach Deutschland, sondern auch mit vielen anderen Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten.