Gerettet aus der Dunkelheit - Die Zwickauer Thora

veröffentlicht am: 25.08.2026

Das Kulturamt informiert:

Vortrag von Dr. Lutz Mahnke am 27. August 2026 

Sie sollte verschwinden – doch sie blieb. Während in der Pogromnacht im November 1938 jüdische Einrichtungen in Zwickau brannten und jüdisches Leben aus dem Stadtbild getilgt werden sollte, überstand eine Thora-Rolle die Zerstörung. Heute erzählt sie von dem, was verloren ging, von dem, was bewahrt werden konnte und von der Verantwortung, jüdisches Leben und seine Geschichte sichtbar zu halten. Am Donnerstag, dem 27. August 2026, um 17 Uhr widmet sich Dr. Lutz Mahnke, Leiter der Ratsschulbibliothek Zwickau, in der Sakristei des Doms St. Marien der bewegten Geschichte dieses außergewöhnlichen Zeugnisses.

Im Judentum wird die Thora als „Baum des Lebens“ (Etz Chaim) verstanden, dessen Wurzeln religiöses und kulturelles Leben nähren. Ausgehend von dieser identitätsstiftenden Bedeutung geht Dr. Lutz Mahnke der dramatischen Geschichte um Entweihung und Wiederentdeckung des Objekts nach. 

Als in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 in Deutschland die Synagogen brannten, blieben auch jüdische Einrichtungen in Zwickau nicht verschont: der Betsaal in der Burgstraße 10 und die Trauerhalle auf dem jüdischen Friedhof in Pölbitz wurden ein Opfer der Flammen. Überreste des Betsaales der orthodoxen jüdischen Gemeinde Adass Jisroel e.V. wurden auf dem SA-Sportplatz an der Crimmitschauer Straße in unmittelbarer Nähe des städtischen Museums deponiert. Doch der Versuch, jüdisches Leben für immer aus der Stadt Zwickau zu tilgen, scheiterte. 

Die Thora-Rolle überlebte das Flammeninferno. Wie konnte dieses für das jüdische Leben zentrale religiöse Objekt die Zerstörung überstehen? Wo befand es sich, wer bewahrte es auf und wie wurde seine Bedeutung wiederentdeckt? Diesen Fragen geht Dr. Lutz Mahnke nach und nimmt dabei auch die Geschichte der Zwickauer jüdischen Gemeinde und die Spuren ihrer Zerstörung in den Blick.

Die Zwickauer Thora ist heute weit mehr als ein historisches Objekt. Sie erzählt von einem jüdischen Leben, das ausgelöscht werden sollte, und zugleich davon, dass Erinnerung nicht ausgelöscht werden kann. Als Teil der Sonderausstellung ERINNERNS_WERT. Jüdische Spuren in Zwickau wird die Thora damit zu einem Ausgangspunkt für eine lebendige Erinnerungskultur, die jüdische Geschichte in Zwickau sichtbar macht und ihre Bedeutung für die Gegenwart neu ins Bewusstsein rückt. Wie der Vortrag deutlich macht, dient sie heute als mahnendes Erinnerungsstück und Ausgangspunkt für eine lebendige, aufrichtige Erinnerungskultur, die historische Brüche mit der Gegenwart wieder verbindet und miteinander aussöhnt.

Veranstaltet wird der Vortrag durch das Museum Priesterhäuser Zwickau. Der Eintritt ist frei, die Teilnahme jedoch begrenzt. Daher wird um Voranmeldung gebeten. Eine Vorbestellung ist in den Priesterhäusern wie auch per Telefon und E-Mail möglich. Die Karten müssen im Museum Priesterhäuser abgeholt werden.

Plakat
Der Vortrag von Dr. Lutz Mahnke ist Teil des Begleitprogramms zur Sonderausstellung ERINNERNS_WERT. Jüdische Spuren in Zwickau